Kiezgespräche zu Handel und Konsum harter Drogen um den U-Bahnhof Yorckstraße

Im April 2017 fand das erste Kiezgespräch zum Thema „Drogenhandel und –konsum im Kulmer Kiez“ statt. Anwohner/innen, Akteure und Gewerbetreibende rund um den U-Bahnhof Yorckstraße wurden seitdem wiederholt eingeladen, um sich zu dem Thema auszutauschen und um gemeinsam Lösungen zu finden. An den offenen Gesprächrunden nehmen auch Vertreter/innen des Bezirksamtes, der Polizei, der BVG, der DB, der Gewobag, der Einrichtungen aus dem Kiez und von freien Trägern teil. Damit hat das QM Schöneberger Norden sein erfolgreiches Gesprächsformat wieder aufgenommen.

Bei der Neueröffnung des Katzlerplatzes im Jahr 2002

Projekt "Grüne Tore"

Winterkiezfest 2016

Graffiti gegen Drogen im Kiez

2016 war die Situation kaum noch zu ertragen

Seit 2016 belastete der zunehmende Handel und Konsum von harten Drogen die Nachbarschaft rund um den U-Bahnhof Yorckstraße - und er breitete sich immer weiter im Schöneberger Norden aus. Dies hatte zu einer starken Verunsicherung der zunehmend unzufriedenen Anwohner/innen geführt, die auch mit Angst und Wut auf diese Entwicklung reagierten.

Deshalb hat das Quartiersmanagement Schöneberger Norden gemeinsam mit dem Treff 62 im April 2017 zum ersten Kiezgespräch in die Katzlerstraße 6 eingeladen. Im Juni 2017 fand das sechste Kiezgespräche statt.

Für die Bewohner/innen und Akteure im Gebiet war von Anfang an klar, dass sie ihre Straßen und die öffentlichen Räume nicht aufgeben werden. Sie wollen sich aktiv, kreativ und friedlich gegen Drogen und Gewalt in ihrer Nachbarschaft wenden. Hier leben alle gerne und dies soll auch so bleiben.

Mit den Kiezgesprächen kam Bewegung in die Sache

Mit Hilfe der Kiezgespräche wurde Anfang 2017 das Gespräch mit den Bewohner/innen aufgenommen - und es konnten Akteure einbezogen werden. Zunächst ging es darum, der Unzufriedenheit der betroffenen Anwohner/innen ein Ventil zu geben und die Aufmerksamkeit der Profis für die brisante Situation zu gewinnen. Dafür wurden alle an einen Tisch geladen.

Auf diese Weise wurden Aufklärung, Vernetzung und ein gemeinsames Nachdenken möglich, ohne die Situation zu skandalisieren. Die Probleme wurden im Kiez offen diskutiert, es wurden gemeinsam Lösungen gesucht und es wurde aktiv gehandelt. Dies war die erste Voraussetzung dafür, durch verstärktes Handeln positive Veränderungen herbeizuführen. 

Mittlerweile wird an Lösungen gearbeitet

Seitdem ging es in kleinen Schritten voran. Die Liste der durchgeführten Aktionen und geplanten Maßnahmen ist mittlerweile ziemlich lang. Hier das Wichtigste:

  • Im Mai 2017 erarbeiteten Anwohner/innen einen Informationsflyer "Drogenhandel im Kiez - an wen kann ich mich wenden" für die Nachbarschaft (z.B. erhältlich beim Quartiersmanagement und im Treff 62).

  • Das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg konnte im Dezember 2017 gemeinsam mit dem Träger outreach gGmbH ein Präventionsteam von 3 Straßensozialarbeiter/innen zum Einsatz bringen, dass seitdem die Situation beobachtet, für die Menschen ansprechbar ist und Aktivitäten vor Ort unterstützt. Hier muss jedoch immer wieder die Weiterfinanzierung gesichert werden.

  • Am 12. Dezember 2017 fand eine öffentliche Kehrenbürgeraktion in Kooperation mit der BSR auf dem Platz Katzler- / Ecke Yorckstraße statt.

  • Am 16. Dezember 2017 fand das gemeinsame Winterkiezfest als „Kiez-Aktion gegen Gewalt und Drogen“ statt. Ziel war die öffentlich sichtbare Rückeroberung des Platzes an der Ecke Katzler- / Yorckstraß durch die Anwohner/innen und der friedliche, kreative und bunte Protest gegen dessen Verwahrlosung.

  • Die Berliner Polizei hat ihre Aktivitäten im und um den U-Bahnhof Yorckstraße deutlich intensiviert.

  • Die Sicherheitsdienste der BVG und der DB verstärkten ihre Einsätze.

  • Die Werkstatt des notdienstes weitete ihre Einsätze zum Einsammeln von Spritzen an hochbelasteten Orten im Quartier deutlich aus.

  • Die Suchthilfekoordinatorin des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg arbeitet im Netzwerk an einem Konzept zur Aufstellung von Spritzenabwurfbehältern in dem belasteten Bereich.

  • Die Suchthilfekoordinatorin sondiert zusätzliche Möglichkeiten, damit mit den Drogenabhängigen vor Ort präventiv gearbeitet werden kann. Und sie bezieht ihre Kollegin aus dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in die Bemühungen im Schöneberger Norden mit ein.

  • Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg beteiligt sich gemeinsam mit Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte an einem bezirksübergreifenden Soziale-Stadt-Projekt mit dem Titel "NUDRA - Überbezirklicher Aufbau eines Netzwerkes zum Umgang mit Drogen- und Alkoholkonsum und den Begleiterscheinungen im öffentlichen Raum für einen sozialen guten Zusammenhalt". Das Soziale-Stadt-Gebiet Schöneberger Norden ist Bestandteil dieses Projekt.

  • Derzeit wird die bauliche Umgestaltung des Platzes an der  Ecke Katzler-/ Yorkstraße vorbereitet. Sie wird aus Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert.

 

Die Herausforderung bleibt bestehen

Damit sind viele positive Ansätze gefunden worden. Sie haben bis jetzt jedoch noch nicht zu einer grundlegenden Verbesserung der Situation geführt haben. Die Szene ist immer noch da, der U-Bahnhof ist noch nicht saniert. Deshalb wollen Alle weiter dran bleiben, die Bewohner/innen und die Profis. Und deshalb gibt es auch ein nächstes Kiezgespräch.

 

text: Peter Pulm, fotos: QM